Auf dem Weg von München nach Krakau oder an die polnische Ostseeküste stellt sich schnell die Frage, ob vor der Grenze noch eine Vignette gekauft werden muss. Die kurze Antwort lautet: Für normale Pkw gibt es in Polen keine landesweite Vignette, trotzdem kosten einzelne Autobahnabschnitte Geld. Hier zeige ich, welche Strecken 2026 betroffen sind, wie viel sie ungefähr kosten und worauf Fahrer mit Anhänger, Wohnmobil oder Mietwagen achten sollten.
Für die Polenreise zählt die konkrete Strecke, nicht ein Aufkleber
- Keine Vignette: Pkw bis 3,5 Tonnen benötigen keinen landesweit gültigen Mautaufkleber.
- Drei wichtige Konzessionsstrecken: Gebühren fallen vor allem auf Teilen der A1, A2 und A4 an.
- Richtwerte für Pkw: A1 Gdańsk-Toruń kostet 29,90 PLN, A2 Świecko-Konin bis zu 138 PLN und A4 Katowice-Kraków 36 PLN.
- e-TOLL: Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 Tonnen sowie Busse müssen das elektronische System nutzen.
- Zahlung: An vielen Mautstellen funktionieren Bargeld und Karte, teilweise auch automatische Kennzeichenerkennung.

Für Pkw gibt es keine landesweite Vignette
Polen arbeitet bei leichten Fahrzeugen nicht mit einer österreichischen oder tschechischen Jahres-, Monats- oder 10-Tages-Vignette. Für einen gewöhnlichen Pkw bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen muss also kein Aufkleber und keine digitale Zeitvignette gekauft werden.
Auf den staatlich verwalteten Autobahnen A2 Konin-Stryków und A4 Wrocław-Sośnica fahren leichte Fahrzeuge seit Juli 2023 gebührenfrei. Das gilt für Pkw, Motorräder und Gespanne, deren zulässiges Gesamtgewicht die Grenze von 3,5 Tonnen nicht überschreitet. Entscheidend ist der Wert in den Fahrzeugpapieren, nicht das aktuelle Gewicht des Autos.
Die Verwirrung entsteht, weil Polen zusätzlich privat betriebene Autobahnabschnitte hat. Dort wird keine Vignette verlangt, sondern eine streckenabhängige Maut. Wer nur über Landstraßen oder kostenlose staatliche Autobahnteile fährt, zahlt entsprechend nichts.
Diese drei Autobahnabschnitte kosten Pkw weiterhin Geld
Für deutsche Urlauber sind vor allem drei Strecken relevant. Die folgenden Beträge gelten als praktische Richtwerte für einen zweiachsigen Pkw ohne Anhänger und verstehen sich in polnischen Złoty inklusive Mehrwertsteuer. Bei einer Teilstrecke kann der Betrag niedriger ausfallen.
| Autobahn | Gebührenpflichtiger Abschnitt | Pkw, einfache Fahrt | Zahlung |
|---|---|---|---|
| A1 | Rusocin bei Gdańsk bis Nowa Wieś bei Toruń, etwa 152 km | 29,90 PLN | Mautstelle oder AmberGO |
| A2 | Świecko bis Konin, etwa 255 km | bis zu 138 PLN | Mautstelle, Karte oder teilweise Videotolling |
| A4 | Katowice bis Kraków, etwa 60 km | 36 PLN | 18 PLN an jeder von zwei Mautstellen |
Die A1 ist vor allem für Fahrten nach Gdańsk, an die Kaschubische Küste oder weiter nach Toruń wichtig. Der Betrag von 29,90 PLN gilt für die komplette Strecke Rusocin-Nowa Wieś. Wer nur einen Teilabschnitt nutzt, bezahlt weniger.
Auf der A2 ist die Abrechnung etwas unübersichtlicher. Zwischen Nowy Tomyśl und Konin werden für einen Pkw aktuell 40 PLN je ungefähr 50 Kilometer berechnet. Die komplette Verbindung von Świecko bis Konin kann dadurch bis zu 138 PLN kosten. Die Umfahrung von Poznań zwischen Poznań Zachód und Poznań Wschód ist für leichte Fahrzeuge gebührenfrei.
Auf der A4 Katowice-Kraków wird der Pkw an zwei Punkten abgerechnet. Seit April 2026 kostet jede Durchfahrt 18 PLN, sodass für den gesamten Abschnitt 36 PLN zusammenkommen. Der westliche und östliche Teil der A4 ist damit nicht automatisch ebenfalls gebührenpflichtig für leichte Fahrzeuge.
So bezahlen Sie die Maut ohne unnötigen Stress
Bei den Konzessionsautobahnen brauche ich normalerweise keine Zahlung vor Reisebeginn. Auf der A1 zieht man am Anfang ein Ticket und gibt es beim Verlassen wieder ab. Das Ticket sollte man unbedingt behalten, denn ohne gültigen Nachweis kann der höchste Tarif des jeweiligen Bereichs berechnet werden.
An den Mautstellen werden in der Regel PLN und gängige Bankkarten akzeptiert. Euro-Banknoten werden auf vielen Strecken ebenfalls angenommen, Wechselgeld gibt es dann meist in Złoty. Münzen sollte man nicht fest einplanen. Eine kleine Reserve in polnischer Währung bleibt deshalb trotz Kartenzahlung sinnvoll.
Wer regelmäßig nach Polen fährt, kann automatische Systeme nutzen. Auf der A1 heißt die Lösung AmberGO. Auf der A4 sind unter anderem Videotolling und die Zahlung über kompatible Apps möglich. Dabei erkennt eine Kamera das Kennzeichen und belastet das hinterlegte Zahlungsmittel. Ich würde die Registrierung allerdings vor der Abfahrt erledigen und nicht erst an der Schranke mit einer neuen App experimentieren.
Wichtig ist die Abgrenzung zu e-TOLL. Die Konzessionsstrecken A1 Gdańsk-Toruń, A2 Świecko-Konin und A4 Katowice-Kraków werden für leichte Fahrzeuge nicht einfach über das staatliche e-TOLL-Konto abgerechnet. Die jeweilige Mautstelle oder das dort zugelassene automatische Bezahlsystem bleibt zuständig.
Bei Anhänger, Wohnmobil und Bus gelten andere Regeln
Die wichtigste Zahl ist das zulässige Gesamtgewicht. Bei einem Gespann zählt nicht nur das Zugfahrzeug, sondern die zulässige Gesamtmasse der Kombination. Ein Pkw mit Wohnwagen kann deshalb in eine andere Mautklasse fallen als dasselbe Auto ohne Anhänger.
Für Fahrzeuge oder Gespanne über 3,5 Tonnen gilt auf den gekennzeichneten staatlichen Mautstraßen das elektronische e-TOLL-System. Das betrifft auch schwere Wohnmobile. Busse müssen e-TOLL unabhängig vom zulässigen Gesamtgewicht nutzen. Vor der Fahrt müssen Fahrzeug, Zahlungsart und ein Ortungsgerät eingerichtet werden. Möglich sind beispielsweise die e-TOLL-App, ein OBU-Gerät oder ein zugelassenes Ortungssystem.
Seit dem 1. Februar 2026 wurde das staatliche Mautnetz für schwere Fahrzeuge um zahlreiche neue Abschnitte erweitert. Das kann besonders auf langen Transitfahrten über A1, A2, A4, A6, A8 und A18 relevant sein. Für einen schweren Camper reicht es daher nicht, nur die drei klassischen Pkw-Mautstellen zu prüfen.
Eine zeitliche Änderung betrifft leichte Fahrzeuge mit Anhänger. Ab dem 21. September 2026 entfällt für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen mit Anhänger die Pflicht zur Abrechnung über e-TOLL. Überschreitet das Fahrzeug oder Gespann jedoch weiterhin die maßgebliche Gewichtsgrenze für schwere Fahrzeuge, bleibt die elektronische Mautpflicht bestehen.
Diese Fehler verursachen auf der Polenreise unnötige Kosten
- Vignette statt Streckenmaut suchen: Eine digitale Zeitvignette für ganz Polen gibt es nicht.
- Das A2-Ticket verlieren: Auf geschlossenen Systemen kann ohne Einfahrtnachweis der Maximaltarif gelten.
- Die Fahrzeugklasse falsch einschätzen: Anhänger, zusätzliche Achsen und Zwillingsreifen können den Tarif deutlich erhöhen.
- e-TOLL mit Konzessionsmaut verwechseln: Beide Systeme können auf einer langen Route vorkommen, funktionieren aber getrennt.
- Nur den Grenzübertritt kalkulieren: Bei der A2 entscheidet der genaue Ein- und Ausfahrpunkt über den Preis.
- Euro-Münzen einplanen: Wer bar zahlt, sollte besser Złoty oder passende Banknoten dabeihaben.
Ich prüfe vor längeren Fahrten außerdem die aktuelle Mautkarte und den Routenrechner. Gerade bei der A2 können Baustellen, neue Auffahrten oder ein anderer Ausfahrtpunkt die erwartete Summe verändern. Die Angaben des polnischen Infrastrukturministeriums und der jeweiligen Betreiber sind dafür verlässlicher als ältere Tabellen in Reiseblogs.
Mit einem kleinen Mautplan entspannt nach Polen starten
Für den normalen Pkw genügt meist eine einfache Vorbereitung. Ich notiere mir die gebührenpflichtigen Abschnitte der geplanten Route, kalkuliere einen kleinen Betrag in Złoty und prüfe bei Anhänger oder Wohnmobil zuerst das zulässige Gesamtgewicht. Für eine typische Fahrt über die A2 von Świecko nach Konin sollte ich bis zu 138 PLN pro Strecke einplanen, während die komplette A1 oder A4 deutlich günstiger ausfallen kann.
Wer diese Unterscheidung verstanden hat, braucht keine Polen-Vignette zu kaufen und muss auch nicht jede Autobahn meiden. Entscheidend ist nur, an der richtigen Stelle zu bezahlen und bei schweren Fahrzeugen e-TOLL rechtzeitig einzurichten.
