Schon ein leicht falsch eingestellter Außenspiegel kann dafür sorgen, dass ein Motorrad, Fahrrad oder anderes Auto im entscheidenden Moment verschwindet. Ich zeige, wie du Innen- und Außenspiegel korrekt ausrichtest, den toten Winkel möglichst klein hältst und typische Einstellfehler vermeidest.
Mit richtig eingestellten Spiegeln sicherer unterwegs
- Fahrersitz zuerst einstellen, danach erst die Spiegel ausrichten.
- Im Innenspiegel sollte die gesamte Heckscheibe sichtbar sein.
- Die Außenspiegel werden so weit nach außen gedreht, dass die eigene Fahrzeugseite nur knapp zu sehen ist.
- Ein kleiner Restbereich im toten Winkel bleibt immer bestehen.
- Beim Spurwechsel gilt weiterhin der Schulterblick, auch bei Totwinkelwarnern.
Warum die Spiegeleinstellung für die Sicherheit so wichtig ist
Spiegel ersetzen nicht den direkten Blick, aber sie erweitern das Sichtfeld erheblich. Gerade beim Abbiegen, Überholen, Einfädeln oder Spurwechsel liefern sie Informationen über Fahrzeuge, die du sonst zu spät wahrnehmen würdest. Die StVZO schreibt deshalb vor, dass die indirekten Sichtsysteme eines Fahrzeugs wesentliche Verkehrsvorgänge nach hinten und zur Seite beobachtbar machen müssen.
Ich sehe in der Praxis immer wieder denselben Fehler: Der Außenspiegel zeigt zu viel von der eigenen Tür und zu wenig vom Bereich neben dem Fahrzeug. Das fühlt sich zunächst vertraut an, vergrößert aber den toten Winkel. Eine gute Einstellung wirkt anfangs ungewohnt, weil der Spiegel deutlich weiter nach außen zeigt.
Auch die Sitzposition spielt eine entscheidende Rolle. Änderst du nach dem Einstellen die Lehnenneigung, die Sitzhöhe oder den Abstand zum Lenkrad, stimmen die Blickfelder oft nicht mehr. Deshalb beginnt die korrekte Einstellung immer mit einer stabilen, aufrechten Sitzposition.
In welcher Reihenfolge du die Spiegel einstellst
1. Fahrersitz und Kopfstütze positionieren
Setze dich so hin, wie du tatsächlich fährst. Die Schultern sollten Kontakt zur Rückenlehne haben, die Arme leicht angewinkelt am Lenkrad liegen und die Pedale ohne Strecken erreichbar sein. Die Kopfstütze gehört ungefähr auf Höhe des Hinterkopfs, denn eine bequeme und sichere Sitzhaltung verbessert gleichzeitig die Sicht.
2. Innenspiegel ausrichten
Richte den Innenspiegel so aus, dass du möglichst die komplette Heckscheibe siehst. Der Rahmen der Scheibe darf am Rand sichtbar sein, die Kopfstützen der Rücksitze sollten das Bild nicht unnötig verdecken. Der Spiegel ist kein Kosmetikspiegel, sondern soll den Verkehr hinter dir möglichst breit und ohne größere Lücken zeigen.
3. Linken Außenspiegel einstellen
Lehne dich zunächst leicht zur linken Tür, während du den Spiegel einstellst. Drehe ihn so weit nach außen, dass die eigene Fahrzeugflanke nur noch am inneren Rand sichtbar ist. Sobald du wieder normal sitzt, sollte dein Auto nicht mehr großflächig im Spiegel erscheinen.
4. Rechten Außenspiegel einstellen
Beim rechten Spiegel funktioniert dasselbe Prinzip. Auch hier soll die eigene Fahrzeugseite höchstens schmal am inneren Rand auftauchen. Der Horizont liegt ungefähr in der Mitte des Spiegelbilds, wobei die genaue Höhe von Fahrzeug, Sitzposition und persönlicher Sicht abhängt.
Ein guter Kontrolltest ist ein Fahrzeug, das dich von hinten überholt. Es sollte im Innenspiegel erscheinen, dort langsam zum Rand wandern und anschließend im Außenspiegel auftauchen. Wenn das Fahrzeug zwischen zwei Spiegeln plötzlich verschwindet, stehen die Spiegel meist zu stark nach innen.
So stellst du Innen- und Außenspiegel konkret ein
| Spiegel | Richtige Ausrichtung | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Innenspiegel | Heckscheibe möglichst vollständig sichtbar | Nur ein kleiner Ausschnitt der Fahrbahn ist zu sehen |
| Linker Außenspiegel | Fahrzeugseite nur schmal am inneren Rand | Die eigene Tür nimmt einen großen Teil des Bildes ein |
| Rechter Außenspiegel | Fahrbahn neben und hinter dem Fahrzeug gut erkennbar | Der Blick zeigt überwiegend den Bordstein oder die hintere Tür |
Bei den Außenspiegeln ist ein kleiner sichtbarer Streifen der Fahrzeugseite durchaus hilfreich. Er gibt einen festen Bezugspunkt und erleichtert das Einschätzen von Abständen. Zu viel Blech im Spiegel kostet jedoch Sichtfeld, weshalb ich eine schmale Randansicht statt einer großen Seitenansicht empfehle.
Den rechten Spiegel solltest du nicht ausschließlich auf den Bordstein richten. Beim Einparken kann eine abgesenkte Bordsteinposition nützlich sein, während der Fahrt ist sie jedoch keine sinnvolle Grundeinstellung. Manche Fahrzeuge speichern dafür eine separate Parkposition, die nach dem Rangieren wieder zurückwechselt.
Weitwinklige oder asphärische Spiegel, also Spiegel mit unterschiedlichen Krümmungsbereichen, zeigen mehr von der Umgebung. Dafür wirken Fahrzeuge darin kleiner und Entfernungen lassen sich schwieriger einschätzen. Verlasse dich deshalb nicht allein auf das Spiegelbild, sondern beobachte auch die Geschwindigkeit des anderen Fahrzeugs.
Der tote Winkel bleibt bestehen
Selbst perfekt ausgerichtete Spiegel können nicht jeden Bereich neben dem Fahrzeug abdecken. Der tote Winkel entsteht dort, wo weder Innen- noch Außenspiegel ein Objekt zeigen. Besonders gefährdet sind Motorräder, Fahrräder und Fahrzeuge, die sich schräg hinter der hinteren Sitzreihe befinden.
Beim Spurwechsel nutze ich deshalb immer dieselbe kurze Routine. Erst den Innenspiegel prüfen, dann den Außenspiegel, anschließend den Schulterblick über die entsprechende Seite. Erst wenn Geschwindigkeit, Abstand und freie Spur zusammenpassen, wird gelenkt.
- Vor dem Ausscheren den Blinker rechtzeitig setzen.
- Spiegelbilder nicht nur auf das Vorhandensein eines Fahrzeugs prüfen, sondern auch auf dessen Geschwindigkeit.
- Bei mehreren Fahrspuren den Bereich hinter und schräg neben dem Fahrzeug beobachten.
- Vor allem bei Motorrädern und Fahrrädern mit einem besonders kleinen Objekt im Spiegel rechnen.
Totwinkelwarner können diese Kontrolle ergänzen. Sie sind jedoch abhängig von Sensorik, Abstand und Geschwindigkeit und erkennen nicht in jeder Situation zuverlässig jedes Objekt. Ein Warnsignal ersetzt weder Spiegel noch Schulterblick.
Diese Fehler machen viele Autofahrer
Die Spiegel während der Fahrt verstellen
Schon wenige Sekunden Ablenkung reichen, um eine Situation vor dem Fahrzeug zu übersehen. Stelle die Spiegel deshalb vor dem Losfahren ein. Muss während der Fahrt etwas korrigiert werden, erledige ich das nur bei sicherer Gelegenheit, etwa nach dem Abstellen des Fahrzeugs.
Zu viel vom eigenen Auto sehen
Ein großer Teil der eigenen Fahrzeugseite vermittelt zwar Orientierung, nimmt aber wertvolle Fläche für den seitlichen Verkehr weg. Wenn mehr als ein schmaler Rand des Autos sichtbar ist, lohnt sich eine Korrektur nach außen.
Den Spiegel bei jeder Sitzposition neu zu beurteilen
Fährt eine andere Person mit dem Auto, muss sie die Sitzposition und Spiegeleinstellung anpassen. Besonders bei gemeinsam genutzten Fahrzeugen mit elektrischer Memory-Funktion lohnt es sich, persönliche Sitz- und Spiegelprofile zu speichern.
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Verschmutzte oder beschädigte Spiegelflächen ignorieren
Schmutz, Eis, Wasser und Kratzer verschlechtern die Sicht deutlich. Reinige die Spiegelflächen vor der Fahrt und entferne Eis vollständig. Ein gerissener Spiegel oder ein locker sitzendes Spiegelglas sollte zeitnah repariert werden, weil die Sicht dann nicht mehr zuverlässig beurteilt werden kann.
Wann eine neue Einstellung besonders wichtig ist
Nach einem Fahrzeugwechsel solltest du dir einige Minuten für die Grundeinstellung nehmen, selbst wenn das neue Auto ähnlich groß wirkt. Andere Sitzhöhe, breitere Türen oder eine abweichende Heckscheibenform verändern das Sichtfeld stärker, als man zunächst denkt.
Auch nach einer Reparatur, einem Wechsel des Sitzes oder einer längeren Fahrt mit voller Beladung lohnt sich eine Kontrolle. Schwere Gegenstände im Kofferraum können die Fahrzeugneigung verändern und den Blick nach hinten einschränken. Bei Anhängerbetrieb sind die serienmäßigen Spiegel je nach Fahrzeug möglicherweise nicht ausreichend.
Für Fahrschüler, ungeübte Fahrer und Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit ist eine kurze Kontrolle durch eine zweite Person sinnvoll. Die andere Person kann neben dem Fahrzeug stehen und prüfen, ob sie nacheinander im Innen- und Außenspiegel sichtbar wird. So lässt sich die Einstellung ohne komplizierte Hilfsmittel realistisch testen.
Die kurze Kontrolle vor dem Losfahren
Ein Blick auf die drei Spiegel dauert kaum länger als ein Handgriff am Sicherheitsgurt. Ich prüfe vor dem Start, ob die Heckscheibe im Innenspiegel sichtbar ist, die Außenspiegel nur wenig vom eigenen Auto zeigen und die Flächen sauber sowie unbeschädigt sind.
Die beste Einstellung ist nicht die, bei der jeder Winkel vollständig sichtbar wird. Sie ist die, bei der sich die Blickfelder möglichst lückenarm ergänzen und du beim Spurwechsel zusätzlich direkt nach hinten siehst. Wer diese Gewohnheit beibehält, macht aus dem Spiegel-Einstellen keinen einmaligen Handgriff, sondern einen festen Bestandteil sicherer Fahrzeugkontrolle.
