Wer den Arlbergtunnel umfahren möchte, steht meist vor einer einfachen Abwägung: lieber 13 Euro Streckenmaut sparen oder bei einer Sperre überhaupt eine verlässliche Verbindung zwischen Tirol und Vorarlberg finden. Die direkte Alternative führt über den Arlbergpass, bei schlechtem Wetter oder für Gespanne kommen jedoch andere Routen infrage.
Die passende Umfahrung hängt von Fahrzeug, Wetter und Reiseziel ab
- Arlbergpass über B197 und L197 ist die direkte Ausweichroute für viele Pkw.
- Die einfache Fahrt durch den Tunnel kostet 2026 13 Euro, die Maut entfällt bei der Passstraße.
- Gespanne und schwere Fahrzeuge dürfen die Passroute je nach Abschnitt oder Verkehrsverordnung nicht nutzen.
- Bei Schnee, Lawinengefahr oder einer Passsperre bleibt nur eine großräumige Route über Deutschland oder die Schweiz.
- Die österreichische Vignette kann trotz vermiedenem Tunnel nötig sein, wenn andere Autobahn- oder Schnellstraßenabschnitte genutzt werden.

Die direkte Passroute ist meist die sinnvollste Umfahrung
Die klassische Strecke führt über die Arlbergpass-Straße. Auf Tiroler Seite heißt sie B197, auf Vorarlberger Seite L197. Wer aus Richtung Innsbruck oder Landeck kommt, verlässt die S16 bei St. Anton am Arlberg, fährt über St. Christoph und den Pass und gelangt über Alpe Rauz und Klösterle wieder in Richtung Langen am Arlberg.
In der Gegenrichtung funktioniert die Route entsprechend über die Anschlussstelle Langen am Arlberg. Von dort geht es über die L197 hinauf zum Pass und anschließend über die B197 nach St. Anton. Ich würde im Navigationsgerät zusätzlich Zwischenziele wie St. Christoph und Alpe Rauz setzen, damit die App nicht versehentlich wieder durch den mautpflichtigen Tunnel führt.
Bei freier Strecke ist der Pass für einen normalen Pkw oft nur begrenzt langsamer. Je nach Verkehr, Baustellen und Wetter sollte man grob mit 10 bis 30 Minuten zusätzlicher Fahrzeit rechnen. Bei dichtem Ausflugsverkehr kann sich dieser Vorteil allerdings umkehren, denn die kurvenreiche Passstraße hat deutlich weniger Kapazität als die S16.
Was die Passfahrt praktisch bedeutet
Die Strecke ist landschaftlich reizvoll, aber kein Ersatz für eine durchgehend ausgebaute Schnellstraße. Es gibt Steigungen, enge Kurven und Abschnitte, in denen Überholen kaum möglich ist. Wer mit einem kleinen Pkw unterwegs ist, kommt normalerweise gut zurecht, sollte aber vorausschauend und mit Abstand fahren.
Im Winter können Schneefall, Glätte, Lawinengefahr oder eine Kettenpflicht die Planung verändern. Eine geöffnete Tunnelstrecke ist dann häufig die deutlich entspanntere Wahl. Vor der Abfahrt prüfe ich deshalb immer die aktuellen Verkehrsmeldungen und die Passbedingungen, statt mich allein auf die Standardroute des Navis zu verlassen.
Wenn der Arlbergpass nicht reicht
Bei einer vollständigen Sperre von Tunnel und Pass braucht es eine großräumige Ausweichroute. Für Pkw zwischen Vorarlberg und Tirol kommen vor allem zwei Varianten infrage, deren Sinn stark vom Start- und Zielort abhängt.
| Route | Geeignet für | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Arlbergpass über B197 und L197 | Pkw ohne problematischen Anhänger | Direkt, keine Tunnel-Streckenmaut, landschaftlich attraktiv | Kurvenreich, wetterabhängig, begrenzte Kapazität |
| Deutschland über A96, A7 und Fernpass | Viele Pkw bei gesperrtem Pass | Ausweichmöglichkeit ohne Arlbergpass | Deutlich längere Strecke, Staugefahr am Fernpass |
| Schweiz über Rheintal und Graubünden | Bestimmte Fernziele und Ausweichverkehr | Alternative bei Sperren im österreichischen Netz | Schweizer Maut, längere Fahrzeit, zusätzliche Pass- oder Tunnelabschnitte |
Umfahrung über Deutschland
Für Reisende aus dem Raum Bregenz, Lindau oder München kann eine Route über Deutschland und den Fernpass sinnvoll sein. Typisch ist die Verbindung über die A96 und A7 in Richtung Füssen, anschließend über die B179 nach Imst und weiter nach Landeck.
Diese Variante ist nicht automatisch schneller. Gerade an Wochenenden und in Ferienzeiten bilden sich am Fernpass lange Rückstaus. Ich sehe sie deshalb eher als Notlösung bei gesperrter Passstraße und nicht als pauschale Empfehlung für jede Fahrt.
Umfahrung über die Schweiz
Die Schweizer Variante kann interessant sein, wenn das Ziel im westlichen Tirol, im Engadin oder in Südtirol liegt. Je nach Ausgangspunkt führt sie über das Rheintal, Graubünden und weitere Alpenverbindungen. Für eine reine Fahrt zwischen St. Anton und Bludenz wäre sie normalerweise ein unnötiger Umweg.
Zusätzliche Kosten entstehen durch die Schweizer Autobahnvignette, mögliche Tunnelgebühren und den höheren Kraftstoffverbrauch. Außerdem gelten für manche Alpenstraßen eigene Beschränkungen. Diese Route sollte man deshalb nur wählen, wenn die Verkehrslage oder das konkrete Reiseziel den Umweg tatsächlich rechtfertigt.
So funktioniert die Maut rund um den Arlberg
Der Arlbergtunnel auf der S16 ist eine Sondermautstrecke. Für Pkw, Motorräder, leichte Wohnmobile und Gespanne bis 3,5 Tonnen kostet eine einfache Durchfahrt 2026 13 Euro. Hin- und Rückfahrt kosten somit 26 Euro, eine Mehrfahrtenkarte ist für 78 Euro erhältlich und gilt ein Jahr ab dem gewählten Beginn.
Wer den Tunnel über die B197 und L197 umfährt, zahlt diese Streckenmaut nicht. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die gesamte Fahrt mautfrei ist. Sobald weitere österreichische Autobahnen oder Schnellstraßen genutzt werden, kann für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen weiterhin eine Vignette erforderlich sein.
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Vignette und Streckenmaut nicht verwechseln
Die Vignette gilt grundsätzlich für viele österreichische Autobahnen und Schnellstraßen. Die Streckenmaut für den Arlbergtunnel wird dagegen separat erhoben. Der mautpflichtige Abschnitt zwischen St. Anton am Arlberg und Langen am Arlberg ist von der normalen Vignettenpflicht ausgenommen, die Vignette bleibt für andere genutzte S16- oder A-Abschnitte jedoch relevant.
Wer durch den Tunnel fährt, kann das Ticket vorab digital kaufen oder an der Mautstelle bezahlen. Mit gültigem Ticket darf die entsprechend gekennzeichnete grüne Spur genutzt werden. Bei einer geplanten Passfahrt sollte man die Route im Navi kontrollieren und nicht nur die Mautoption aktivieren, denn manche Apps wählen dann kleine Nebenstraßen, die für den Durchgangsverkehr ungeeignet sind.
Gespanne und größere Fahrzeuge brauchen eine eigene Planung
Die Passroute ist nicht für jedes Fahrzeug eine freie Alternative. Auf der Tiroler B197 gilt im betroffenen Abschnitt ein Anhängerfahrverbot für Anhänger über 0,40 Tonnen Gesamtgewicht. Für die L197 auf Vorarlberger Seite können je nach Zeitraum und Verkehrslage zusätzliche Verbote für schwerere Anhänger, Lkw oder Sattelkraftfahrzeuge gelten.
Mit Wohnwagen sollte man deshalb nicht einfach die Tunnelumfahrung im Navigationsgerät auswählen. Entscheidend sind das zulässige Gesamtgewicht, das Anhängergewicht, die aktuelle Beschilderung und mögliche zeitliche Verkehrsverbote. Für schwere Gespanne ist eine großräumige Umleitung meist die rechtssichere Lösung.
Auch Wohnmobile über 3,5 Tonnen fallen nicht mehr in dieselbe Mautkategorie wie ein normaler Pkw. Hier kann die fahrleistungsabhängige GO-Maut gelten. Wer mit einem größeren Camper unterwegs ist, sollte die Gebühren vorab anhand der Fahrzeugklasse prüfen, statt von den 13 Euro Pkw-Maut auszugehen.
Mit diesen Schritten bleibt die Route überschaubar
- Verkehrslage prüfen und feststellen, ob nur der Tunnel oder auch der Arlbergpass gesperrt ist.
- Bei einem normalen Pkw die Passroute über B197 und L197 als Zwischenziel im Navi festlegen.
- Bei Schnee, Eis oder Lawinenwarnung auf die Passfahrt verzichten und eine großräumige Route prüfen.
- Fahrzeuggewicht und Anhängerregeln kontrollieren, bevor die Umfahrung gewählt wird.
- Für die restliche Strecke durch Österreich die Vignettenpflicht und mögliche weitere Sondermautabschnitte berechnen.
Bei einer tatsächlichen Sperre ist die ausgeschilderte Umleitung maßgeblich. Das gilt auch dann, wenn eine Navigations-App eine vermeintlich kürzere Nebenstrecke vorschlägt. Temporäre Abfahrtssperren, Fahrverbote für den Ausweichverkehr und lokale Zufahrtsregelungen sollen verhindern, dass kleine Ortschaften vom Transitverkehr überrollt werden.
Die aktuellen Meldungen der ASFINAG und des ÖAMTC sind dafür hilfreicher als eine alte Routenempfehlung aus dem Internet. Besonders vor Ferienwochenenden lohnt sich ein Blick kurz vor der Abfahrt und noch einmal kurz vor dem letzten Autobahnanschluss.
Die beste Entscheidung für eine entspannte Arlbergfahrt
Für einen normalen Pkw bei trockener Straße ist der Arlbergpass die naheliegende und mautfreie Alternative. Bei Winterwetter, starkem Reiseverkehr oder einem schweren Anhänger sollte man ihn nicht romantisieren, sondern die Einschränkungen ernst nehmen.
Meine Faustregel lautet deshalb: Tunnel offen und Zeit knapp, durchfahren; Tunnelmaut sparen und Wetter stabil, über den Pass fahren; Tunnel und Pass gesperrt oder Fahrzeug ungeeignet, großräumig über Deutschland oder die Schweiz ausweichen. So wird aus einer spontanen Umfahrung keine teure oder riskante Überraschung.
