Wer mit dem Auto nach Bosnien und Herzegowina fährt, braucht keine landesweite Vignette. Gebühren fallen nur auf bestimmten Autobahnabschnitten an. Ich zeige, wo die Maut gilt, welche Kosten für Pkw realistisch sind, wie die Bezahlung funktioniert und worauf deutsche Autofahrer bei der Routenplanung achten sollten.
Die wichtigsten Fakten zur Maut auf bosnischen Autobahnen
- Keine Vignette: Bezahlt werden nur tatsächlich gefahrene mautpflichtige Strecken.
- Wichtige Abschnitte: Dazu gehören Teile der A1, die E661 zwischen Banja Luka und Gradiška sowie die Verbindung Banja Luka-Doboj.
- Bezahlung: An den Stationen sind meist KM, Euro und Karten möglich.
- Pkw-Kosten: Ein normaler Pkw zahlt auf vielen Teilstrecken nur wenige Konvertible Mark.
- Vorsicht bei der Einfahrt: Ticket oder elektronisches Signal müssen bis zur Ausfahrt korrekt erhalten bleiben.

Keine Vignette, sondern einzelne mautpflichtige Abschnitte
In Bosnien und Herzegowina gibt es keine einheitliche Jahres- oder Wochenmaut wie etwa in Österreich oder der Schweiz. Wer die normale Landstraße nutzt, zahlt in der Regel nichts. Die Gebühr betrifft einzelne Autobahnen und wird nach der gefahrenen Strecke berechnet.
Das System ist für Reisende zunächst etwas ungewohnt, aber eigentlich unkompliziert. An einer geschlossenen Mautstation zieht man bei der Einfahrt ein Ticket und bezahlt bei der Ausfahrt. Auf kurzen, offen abgerechneten Abschnitten wird direkt an der Station kassiert.
Aus meiner Sicht lohnt sich die Autobahn trotzdem oft. Sie kostet zwar etwas, spart aber auf längeren Strecken Zeit und ist meist angenehmer zu fahren als kurvenreiche Magistralstraßen durch dicht besiedelte Orte.
Auf welchen Strecken in Bosnien Gebühren anfallen
A1 in der Föderation Bosnien und Herzegowina
Gebührenpflichtige Abschnitte der A1 liegen unter anderem im Raum Sarajevo, zwischen Sarajevo und Zenica, südlich von Mostar sowie im Norden bei Svilaj und Odžak nahe der kroatischen Grenze. Die A1 ist Teil des europäischen Verkehrskorridors Vc und wird in den kommenden Jahren abschnittsweise weiter ausgebaut.
Für eine Fahrt von der kroatischen Grenze in Richtung Sarajevo können daher mehrere getrennte Abschnitte relevant sein. Die genaue Summe hängt davon ab, an welcher Anschlussstelle man auffährt und wo man die Autobahn wieder verlässt.
E661 zwischen Gradiška und Banja Luka
Die E661 verbindet den Grenzraum bei Gradiška mit Banja Luka. Dieser Abschnitt ist besonders für Reisende interessant, die aus Kroatien über die Savebrücke in das Land einreisen. Die Maut wird streckenabhängig an den Stationen erhoben.
Autobahn Banja Luka-Doboj
Auch die Autobahn, die häufig als „Autoput 9. Januar“ bezeichnet wird, ist in Teilen mautpflichtig. Sie führt von Banja Luka über Prnjavor in Richtung Doboj und verbindet sich dort mit dem Korridor Vc.
Die beiden regionalen Betreiber verwenden teilweise unterschiedliche Tariftabellen und Fahrzeugklassen. Deshalb sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Preis von der A1 auch auf der Strecke bei Banja Luka gilt.
So funktioniert die Bezahlung an der Mautstation
Bei der klassischen Einfahrt hält man an der gekennzeichneten Spur und nimmt das Transit-Ticket. Dieses sollte griffbereit im Fahrzeug liegen und nicht geknickt oder verlegt werden. Bei der Ausfahrt wird daraus der zu zahlende Betrag ermittelt.
Bezahlt werden kann üblicherweise in Konvertiblen Mark, der Landeswährung, sowie in Euro. Auch Kredit- und Bankkarten werden an vielen Stationen akzeptiert, allerdings würde ich mich nicht ausschließlich darauf verlassen. Eine kleine Reserve in KM und eine funktionierende Karte sind die sicherste Kombination.
Bei Barzahlung in Euro erfolgt das Wechselgeld normalerweise in KM. Der an der Station verwendete Rückwechselkurs kann ungünstiger sein als der offizielle Wechselkurs. Wer bereits weiß, dass er die Autobahn nutzen wird, fährt mit kleinen Beträgen in Landeswährung meist günstiger.
Elektronische Zahlung mit TAG oder ACC
Für regelmäßige Fahrten gibt es elektronische Systeme. In der Föderation wird auf der A1 die ACC-Lösung angeboten. In der Republika Srpska kommt ein TAG-Gerät für die elektronische Maut zum Einsatz.
Das TAG-Gerät kostet nach den veröffentlichten Angaben der Autobahngesellschaft der Republika Srpska 40 KM. Aufgeladenes Guthaben kann einen Rabatt von etwa 15 Prozent bringen. In der Föderation wird für das ACC-System ebenfalls ein Preisvorteil gewährt, wobei die Bedingungen und Tarife vor dem Kauf geprüft werden sollten.
Für eine einmalige Urlaubsfahrt lohnt sich die Anschaffung meistens nicht. Wer jedoch mehrfach im Jahr durch Bosnien fährt oder lange Strecken mit einem Wohnmobil zurücklegt, kann von kürzeren Wartezeiten und der elektronischen Abrechnung profitieren.
Was kostet die Maut für einen normalen Pkw
Die Kosten hängen von Strecke, Betreiber und Fahrzeugklasse ab. Als Orientierung nennt die veröffentlichte Tarifübersicht für einen normalen Pkw der Klasse I auf der A1 beispielsweise folgende Beträge:
| Teilstrecke ab Sarajevo Nord | Entfernung | Pkw Klasse I |
|---|---|---|
| bis Podlugovi | 10,0 km | 1,20 KM |
| bis Visoko | 18,3 km | 2,00 KM |
| bis Kakanj | 34,8 km | 4,00 KM |
| bis Lašva | 45,0 km | 5,50 KM |
| bis Zenica Süd | 51,0 km | 6,00 KM |
| bis Zenica Nord | 60,8 km | 7,00 KM |
Das entspricht grob 0,60 bis 3,60 Euro, wenn man die KM zum festen Eurokurs umrechnet. An der Zahlstelle kann die direkte Eurozahlung wegen des dort verwendeten Rückwechselkurses etwas ungünstiger ausfallen. Außerdem können Tarife angepasst werden, weshalb die Tabelle als Orientierung und nicht als verbindliche Endabrechnung gedacht ist.
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Die Fahrzeugklasse richtig einschätzen
Bei einem gewöhnlichen Pkw mit zwei Achsen und weniger als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gilt häufig Klasse I, wenn die Höhe an der Vorderachse höchstens 1,3 Meter beträgt. Entscheidend ist also nicht allein die Gesamthöhe des Fahrzeugs.
- Klasse I: viele normale Pkw mit zwei Achsen
- Klasse II: höhere Fahrzeuge, Pkw mit Anhänger oder bestimmte dreiachsige Kombinationen
- Klasse III und IV: schwere Fahrzeuge, Reisebusse und Gespanne mit mehr Achsen
Bei SUV, Hochdachkombis, Transportern und Wohnmobilen kann die Einstufung höher ausfallen. Wer mit Anhänger fährt, sollte die Fahrzeugklasse vorab anhand der Angaben des jeweiligen Betreibers prüfen, statt sich auf die Einstufung aus einem anderen Land zu verlassen.
So plane ich die Fahrt ab Deutschland
Ich trenne die Routenplanung in drei Bereiche. Erstens prüfe ich die Maut in den Transitländern, zweitens die tatsächlich befahrenen Autobahnabschnitte in Bosnien und drittens die Zahlungsmittel für unterwegs. Dadurch entstehen weniger Überraschungen als bei einer groben Schätzung für die gesamte Reise.
- Route festlegen: Prüfen, ob die Strecke über Gradiška, Svilaj, Sarajevo oder den Süden bei Mostar führt.
- Transitkosten ergänzen: Je nach Abfahrt aus Deutschland können österreichische, slowenische, kroatische oder serbische Gebühren dazukommen.
- Fahrzeugklasse bestimmen: Besonders bei Anhänger, Wohnmobil oder Transporter die Vorderachshöhe und Achszahl berücksichtigen.
- Zahlung vorbereiten: KM, eine Karte und gegebenenfalls etwas Bargeld in Euro mitnehmen.
- Aktuelle Tarife prüfen: Für die Republika Srpska den offiziellen Mautrechner verwenden, für die A1 die aktuelle Preisliste des Betreibers.
Die schnellste Route ist nicht immer die günstigste. Auf kurzen Distanzen kann eine gut ausgebaute Landstraße ohne Maut sinnvoll sein. Bei langen Etappen mit Kindern, viel Gepäck oder einem schweren Fahrzeug überwiegt der Zeitgewinn der Autobahn jedoch oft deutlich.
Typische Fehler an der Mautstation vermeiden
Der häufigste Fehler ist, bei der Einfahrt eine falsche Spur zu wählen oder das Ticket nicht aufzubewahren. Wer ohne gültigen Eintrag an der Ausfahrt ankommt, kann mit dem höchsten Streckentarif beziehungsweise einer Strafgebühr belastet werden.
Auf der A1 der Föderation kann eine zu lange Aufenthaltsdauer ebenfalls problematisch sein. Ist der Eintrag auf dem Transitmedium älter als 14 Stunden und gibt es keinen nachvollziehbaren Grund für die Verzögerung, kann eine Strafgebühr berechnet werden. Eine Übernachtung oder längere Panne sollte man deshalb nach Möglichkeit belegen können.
- Ticket direkt nach der Einfahrt an einem festen Platz ablegen.
- Nicht versehentlich in eine reine TAG- oder Kartenspur fahren.
- Bei Problemen sofort das Personal an der Station ansprechen.
- Bei Eurozahlung das Wechselgeld in KM kontrollieren.
- Für die Rückfahrt nicht einfach denselben Betrag einplanen, da die Ausfahrt entscheidend ist.
Mit etwas Vorbereitung bleibt die Durchfahrt entspannt
Für die meisten deutschen Urlauber ist die Maut in Bosnien und Herzegowina finanziell überschaubar. Entscheidend ist weniger die Höhe der Gebühr als die richtige Einordnung der Strecke, denn eine Vignette wird nicht benötigt und viele Landstraßen bleiben gebührenfrei.
Ich würde vor der Abfahrt die Route bis zur konkreten Ausfahrt planen, eine kleine Menge KM bereithalten und die Fahrzeugklasse realistisch einschätzen. Dann sind die Mautstationen kein organisatorischer Stolperstein, sondern schlicht ein kleiner, gut kalkulierbarer Bestandteil der Autoreise.
