Bloodhound LSR - der Rekordversuch mit 1.609 km/h

Hartmut Jürgens 30. April 2026
Der Bloodhound SSC, ein Raketenauto, steht bereit für den Geschwindigkeitsrekord. Daneben das "Mission Control" Fahrzeug.

Inhaltsverzeichnis

Ein Fahrzeug mit Düsentriebwerk, Raketenantrieb und einer Zielgeschwindigkeit von rund 1.609 km/h klingt eher nach Raumfahrt als nach Automobilbau. Genau deshalb ist das Projekt Bloodhound SSC so faszinierend: Es verbindet Aerodynamik, Motorsport und Luftfahrttechnik, wurde aber bislang nicht zum neuen Landgeschwindigkeitsrekord geführt. Ich zeige, was hinter dem Fahrzeug steckt, wie es sich vom Thrust SSC unterscheidet und wie der Stand des Projekts 2026 aussieht.

Die wichtigsten Fakten zum schnellsten Auto der nächsten Generation

  • Zielgeschwindigkeit: rund 1.000 mph beziehungsweise 1.609 km/h.
  • Antrieb: ein EJ200-Strahltriebwerk aus dem Eurofighter Typhoon plus zusätzlicher Rakete.
  • Erprobung: 2019 erreichte das Fahrzeug in Südafrika 628 mph beziehungsweise 1.010 km/h.
  • Rekordstatus: Der bestehende Landgeschwindigkeitsrekord von 1.227,985 km/h wurde noch nicht gebrochen.
  • Wichtig für Autointeressierte: Es handelt sich um ein Forschungs- und Rekordfahrzeug, nicht um ein straßenzugelassenes Serienmodell.

Das Bloodhound SSC Raketenauto wird in einer Werkstatt vorbereitet.

Was Bloodhound LSR eigentlich ist

Bloodhound LSR ist ein britisches Landgeschwindigkeitsfahrzeug, das ursprünglich unter dem Namen Bloodhound SSC entwickelt wurde. Die Abkürzung SSC stand für Supersonic Car, also ein Überschallfahrzeug. Heute wird meist die Bezeichnung LSR verwendet, die für Land Speed Record steht.

Ich würde das Fahrzeug nicht als klassisches Auto bezeichnen. Es besitzt zwar ein Cockpit, Räder und eine Karosserie, doch die Konstruktion folgt völlig anderen Regeln als bei einem Sportwagen. Es geht nicht um Komfort, Kurvenfahrt oder Alltagstauglichkeit, sondern um kontrollierte Beschleunigung auf einer langen, geraden Strecke.

Das Projekt begann 2008 unter der Leitung von Richard Noble, der bereits am Rekordfahrzeug Thrust SSC beteiligt war. Am Steuer sitzt Andy Green, der mit Thrust SSC 1997 den bis heute gültigen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Die Verbindung aus erfahrenem Fahrer, Rekordteam und moderner Simulation macht den eigentlichen Reiz des Projekts aus.

Warum das Fahrzeug schneller als ein Überschallflugzeug auf Rädern sein soll

Der entscheidende Unterschied zu normalen Fahrzeugen liegt im Antrieb. Bloodhound LSR nutzt ein Rolls-Royce-EJ200-Triebwerk, das auch im Eurofighter Typhoon eingesetzt wird. Es erzeugt ungefähr 90 kN Schub, was häufig mit rund 54.000 PS verglichen wird. Diese Zahl beschreibt allerdings eine Schubleistung und ist nicht direkt mit der Motorleistung eines Pkw vergleichbar.

Für den ersten Hochgeschwindigkeitstest reichte das Strahltriebwerk aus. Für mehr als 800 mph, also etwa 1.287 km/h, ist jedoch ein zusätzlicher Raketenantrieb vorgesehen. Dieser soll ungefähr 60 kN weiteren Schub liefern und das Fahrzeug in den Bereich bringen, in dem der bisherige Rekord übertroffen werden kann.

Der Raketenantrieb arbeitet anders als viele erwarten

Geplant ist ein sogenannter Monopropellant-Raketenmotor. Als Treibstoff dient konzentriertes Wasserstoffperoxid, das mithilfe eines Katalysators in sehr heißen Dampf und Sauerstoff zerlegt wird. Dadurch entsteht Schub, ohne dass im Raketenmotor eine klassische Verbrennung mit Flamme stattfindet.

Das klingt umweltfreundlicher, bedeutet aber nicht, dass der gesamte Rekordversuch emissionsfrei wäre. Das Strahltriebwerk benötigt weiterhin Treibstoff, und der Transport, die Vorbereitung der Strecke sowie die Herstellung der Bauteile verursachen ebenfalls Emissionen. Die Bezeichnung „grüne Rakete“ bezieht sich deshalb nur auf das Funktionsprinzip dieses Antriebssystems.

Welche Technik bei mehr als 1.000 km/h den Unterschied macht

Bei solchen Geschwindigkeiten wird die Karosserie nicht einfach windschnittig gestaltet. Schon kleine Änderungen an der Form können darüber entscheiden, ob das Fahrzeug stabil bleibt oder Auftrieb erzeugt. Die Entwickler nutzten deshalb umfangreiche CFD-Simulationen. Damit wird die Strömung digital berechnet, bevor ein Bauteil gebaut oder getestet wird.

Besonders kritisch sind die Übergänge zwischen Unterschall- und Überschallbereich. Wenn die Luft lokal schneller als der Schall strömt, entstehen starke Druckänderungen und Stoßwellen. Bei den Testfahrten zeigten Messungen bereits im Bereich von rund 1.010 km/h Überschallströmung an Teilen des Unterbodens und der hinteren Radaufhängung.

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Räder, Bremsen und Messsysteme

Für die Wüstenfahrten wurden die normalen Testreifen durch speziell gefertigte Räder aus einer Aluminiumlegierung ersetzt. Diese Räder sind nicht für Kurven oder schlechten Straßenbelag gedacht, sondern sollen bei extremer Drehzahl stabil auf der vorbereiteten Salz- und Lehmpiste laufen.

Gebremst wird nicht wie bei einem Sportwagen. Zunächst kommen aerodynamische Bremsklappen zum Einsatz, später ein Bremsschirm und erst bei niedriger Geschwindigkeit mechanische Scheibenbremsen. Während der Tests überwachten rund 192 Drucksensoren die Strömung an der Karosserie. Solche Messdaten sind wichtiger als ein einzelner spektakulärer Topspeed, weil sie zeigen, wie sicher sich das Fahrzeug bei der nächsten Ausbaustufe verhalten kann.

Wie sich Bloodhound vom Thrust SSC unterscheidet

Thrust SSC hält den offiziellen Landgeschwindigkeitsrekord seit 1997. Das Fahrzeug erreichte im Mittel aus zwei Läufen 763,035 mph beziehungsweise 1.227,985 km/h und durchbrach als erstes Landfahrzeug nachweislich die Schallmauer.

Merkmal Thrust SSC Bloodhound LSR
Ziel beziehungsweise Rekord Bestehender Weltrekord Neuer Rekord und später rund 1.000 mph
Antrieb Zwei Rolls-Royce-Spey-Triebwerke EJ200-Strahltriebwerk plus Raketenmotor
Erreichte Geschwindigkeit 763,035 mph 628 mph im Hochgeschwindigkeitstest
Besonderheit Erstes Landfahrzeug mit Überschallgeschwindigkeit Stärker auf Simulation, Sensorik und schrittweise Erprobung ausgelegt

Der Vergleich zeigt, dass Bloodhound nicht einfach eine modernere Version des Vorgängers ist. Das Konzept soll den Rekord zunächst kontrolliert übertreffen und erst danach die maximale Auslegungsgeschwindigkeit anstreben. Diese Zweiteilung halte ich für sinnvoll, weil ein Sprung von 1.010 auf mehr als 1.228 km/h technisch weit anspruchsvoller ist, als die Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen.

Was bei den Testfahrten bereits erreicht wurde

Die entscheidende Hochgeschwindigkeitsphase fand 2019 auf dem Hakskeen Pan in Südafrika statt. Bei der schnellsten Fahrt erreichte Bloodhound LSR 628 mph beziehungsweise 1.010 km/h. Das Fahrzeug passierte dabei nach rund 50 Sekunden die Marke von fünf Meilen und erfüllte damit das Ziel, wichtige Daten für die nächste Entwicklungsstufe zu sammeln.

Die Teststrecke ist kein gewöhnlicher Salzsee. Für die Vorbereitung wurden auf einer Fläche von etwa 22 Millionen Quadratmetern rund 16.500 Tonnen Steine von Hand entfernt. Die gerade Rennbahn ist ungefähr 19,2 Kilometer lang. Diese enorme Länge ist notwendig, weil das Fahrzeug für Beschleunigung, Messung und Bremsung sehr viel Raum benötigt.

Die 1.010 km/h waren ein wichtiger technischer Erfolg, aber noch kein Weltrekord. Der EJ200-Antrieb allein liefert nicht genug Schub, um den bestehenden Rekord sicher zu übertreffen. Erst mit einem funktionierenden Raketenmodul und einer erneuten vollständigen Erprobung kann der eigentliche Rekordversuch beginnen.

Wie der Stand des Projekts 2026 einzuordnen ist

Nach dem derzeit öffentlich kommunizierten Stand ist der Rekordversuch noch nicht abgeschlossen. Das Fahrzeug hat seine Hochgeschwindigkeitstests absolviert, doch für die Rückkehr nach Südafrika fehlen weiterhin die vollständige Finanzierung, die Integration des Raketenantriebs und weitere Sicherheitsprüfungen.

Das Projektfahrzeug wurde zeitweise im Coventry Transport Museum ausgestellt. Das ist für Besucher interessant, darf aber nicht mit einem laufenden Rennbetrieb verwechselt werden. Bloodhound ist damit aktuell ein funktionsfähiges, getestetes Rekordfahrzeug mit offenem Entwicklungs- und Finanzierungsbedarf, kein fertiges Modell mit festem Starttermin.

Auch die häufig genannte Geschwindigkeit von 1.609 km/h ist deshalb ein Entwicklungsziel und kein bereits erreichter Wert. Ich würde bei Berichten zum Thema immer genau zwischen geplanter Höchstgeschwindigkeit, getesteter Geschwindigkeit und offiziell anerkanntem Rekord unterscheiden. Gerade bei spektakulären Projekten werden diese drei Angaben oft ungewollt vermischt.

Was Autofans aus dem Projekt mitnehmen können

Bloodhound LSR ist kein Auto, das man kaufen, anmelden oder auf einer deutschen Autobahn fahren kann. Sein Wert liegt vielmehr darin, dass es zeigt, wie eng moderne Fahrzeugtechnik mit Luftfahrt, Werkstoffkunde, Simulation und Datenanalyse verbunden ist.

Für mich ist die wichtigste Lehre die schrittweise Entwicklung. Erst kamen langsame Rolltests, danach höhere Geschwindigkeiten mit dem Strahltriebwerk und erst später soll der Raketenantrieb hinzukommen. Bei einem Projekt, bei dem ein kleiner Fehler bei mehr als 1.200 km/h lebensgefährlich wäre, sind Messdaten und kontrollierte Zwischenziele wichtiger als ein möglichst schneller PR-Erfolg.

Wer sich für Marken und Modelle interessiert, sollte Bloodhound deshalb als technisches Einzelprojekt und nicht als klassische Automarke einordnen. Es ist ein rollendes Forschungslabor, das den Landgeschwindigkeitsrekord herausfordern soll und dabei sichtbar macht, wo die Grenzen zwischen Auto, Flugzeug und Rakete liegen.

Häufig gestellte Fragen

Thrust SSC hält mit 1.227,985 km/h den offiziellen Landgeschwindigkeitsrekord und nutzt zwei Rolls-Royce-Spey-Triebwerke. Bloodhound LSR setzt auf ein EJ200-Strahltriebwerk aus dem Eurofighter Typhoon sowie einen zusätzlichen Raketenmotor und strebt zunächst einen neuen Rekord, später rund 1.609 km/h an.

Bei einem Hochgeschwindigkeitstest auf dem Hakskeen Pan erreichte Bloodhound LSR 628 mph beziehungsweise 1.010 km/h. Damit stellte das Fahrzeug noch keinen Weltrekord auf, da der bestehende Rekord bei 1.227,985 km/h liegt.

Das EJ200-Strahltriebwerk allein liefert nicht genug Schub, um den bestehenden Rekord sicher zu übertreffen. Für Geschwindigkeiten von mehr als 800 mph, also etwa 1.287 km/h, ist ein Raketenmotor mit rund 60 kN zusätzlichem Schub vorgesehen. Er nutzt konzentriertes Wasserstoffperoxid, das durch einen Katalysator in heißen Dampf und Sauerstoff zerlegt wird.

Der Rekordversuch ist noch nicht abgeschlossen. Für eine Rückkehr nach Südafrika fehlen weiterhin die vollständige Finanzierung, die Integration des Raketenantriebs und weitere Sicherheitsprüfungen. Das Fahrzeug wurde zeitweise im Coventry Transport Museum ausgestellt, hat aber keinen festen Starttermin.

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Autor Hartmut Jürgens
Hartmut Jürgens
Mein Name ist Hartmut Jürgens und seit 14 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Mobilität, Reisen und allem rund ums Auto. Diese lange Zeit hat mir nicht nur ein tiefes Verständnis für die Materie vermittelt, sondern auch die Freude daran geweckt, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten. Mich fasziniert, wie sich die Welt der Fortbewegung ständig wandelt und welche spannenden Entwicklungen uns erwarten. Auf renaultmuenchen-ottobrunn.de teile ich mein Wissen, beleuchte aktuelle Trends und helfe Ihnen, den Überblick im Dschungel der Autowelt zu behalten. Dabei lege ich Wert darauf, Informationen gründlich zu recherchieren und sie so darzustellen, dass sie für Sie nützlich und nachvollziehbar sind.

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