Das Auto steht auf dem Hof, der Wagenheber liegt bereit und trotzdem bleibt eine wichtige Frage offen: Muss die Handbremse beim Reifenwechsel angezogen sein? Die kurze Antwort lautet ja, denn sie verhindert zusammen mit dem eingelegten Gang oder der Parkstellung, dass das Fahrzeug wegrollt. Ich zeige außerdem, was bei Automatikgetriebe, elektrischer Parkbremse, Hinterrädern und einem festsitzenden Handbremsseil zu beachten ist.
Die Handbremse ist nur ein Teil der sicheren Fahrzeugabsicherung
- Handbremse anziehen und beim Schaltgetriebe zusätzlich den ersten Gang oder Rückwärtsgang einlegen.
- Bei einem Automatikfahrzeug den Wählhebel auf P stellen und die elektrische Parkbremse aktivieren.
- Das Fahrzeug nur auf ebenem, festem Untergrund anheben und die vorgesehenen Aufnahmepunkte verwenden.
- Ein Wagenheber dient zum Anheben, aber nicht als alleinige Abstützung unter dem Fahrzeug.
- Nach dem Wechsel zählen korrektes Drehmoment, Luftdruck und eine Kontrolle nach etwa 50 Kilometern.
Warum die Handbremse beim Radwechsel angezogen wird
Die Feststellbremse hält das Auto gegen Wegrollen fest. Das ist besonders wichtig, sobald ein Rad keinen Bodenkontakt mehr hat und die Last des Fahrzeugs nur noch über den Wagenheber beziehungsweise einen Unterstellbock abgefangen wird. Ich verlasse mich dabei nie auf die Handbremse allein, sondern sichere das Fahrzeug immer mehrfach ab.
Bei den meisten Pkw wirkt die mechanische Handbremse auf die Hinterräder. Wird ein Vorderrad angehoben, bleiben die gebremsten Hinterräder am Boden und stabilisieren das Fahrzeug. Beim Anheben eines Hinterrads ist die Situation etwas anders: Die Feststellbremse kann zwar das angehobene Rad blockieren, sie ersetzt aber keinen festen Untergrund und keine zusätzliche Sicherung.
Beim Schaltwagen kommt deshalb ein eingelegter Gang hinzu. Der erste Gang oder der Rückwärtsgang verhindert über den Antriebsstrang zusätzliche Bewegungen. Bei einem Automatikgetriebe übernimmt die Parkstellung P diese Funktion über die Parksperre im Getriebe. Beides reduziert das Risiko, ersetzt aber ebenfalls keine Unterstellböcke bei Arbeiten unter dem Fahrzeug.
So sichere ich das Fahrzeug vor dem Anheben
Vor dem eigentlichen Radwechsel zählt die Vorbereitung mehr als Geschwindigkeit. Der Wagen sollte auf einer waagerechten, tragfähigen Fläche stehen, nicht auf losem Schotter, nassem Rasen oder einer abschüssigen Einfahrt. Die Zündung wird ausgeschaltet, der Schlüssel beziehungsweise die Keycard bleibt außerhalb des Fahrzeugs.
- Handbremse oder elektrische Parkbremse vollständig aktivieren.
- Beim Schaltgetriebe den ersten Gang oder den Rückwärtsgang einlegen, bei Automatik auf P schalten.
- Die Radschrauben vor dem Anheben nur etwa eine Viertelumdrehung lösen.
- Das diagonal gegenüberliegende Rad mit einem Keil sichern, besonders beim Anheben einer Fahrzeugseite.
- Den Wagenheber ausschließlich am vom Hersteller vorgesehenen Hebepunkt ansetzen.
- Das Fahrzeug nur so weit anheben, dass sich das Rad frei drehen lässt.
- Für längere Arbeiten einen passenden Unterstellbock verwenden und niemals unter ein Fahrzeug kriechen, das nur vom Wagenheber gehalten wird.
Der serienmäßige Scherenwagenheber ist meist für eine Panne gedacht, nicht für den halbjährlichen Räderwechsel. Ein stabiler Rangierwagenheber mit ausreichender Traglast macht die Arbeit kontrollierbarer. Gerade bei Elektrofahrzeugen muss der Hebepunkt exakt stimmen, damit weder Unterboden noch Traktionsbatterie beschädigt werden.
Vor der Montage prüfe ich außerdem Reifenflanke und Lauffläche auf Risse, Beulen und eingefahrene Fremdkörper. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt in Deutschland 1,6 Millimeter, für Winterreifen gelten in der Praxis jedoch etwa 4 Millimeter als sinnvoller Sicherheitswert.
Handbremse, Gang und P im richtigen Zusammenspiel
Die grundlegende Regel bleibt bei allen Fahrzeugen gleich: Das Auto muss gegen Wegrollen gesichert sein, bevor ein Rad den Boden verlässt. Die Bedienung unterscheidet sich aber je nach Getriebe und Art der Parkbremse.
Schaltgetriebe
Handbremse anziehen und einen Gang einlegen. Auf ebenem Boden genügt meist der erste Gang, beim Abstellen in einer bestimmten Richtung kann auch der Rückwärtsgang sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass der Gang wirklich eingerastet ist und der Schalthebel nicht nur scheinbar in einer Position steht.
Automatikgetriebe
Den Wählhebel auf P stellen und die Parkbremse aktivieren. Ich lasse das Bremspedal erst los, wenn beide Sicherungen gesetzt sind. So vermeide ich, dass das Fahrzeug beim Wechsel von der Betriebsbremse in die Parkstellung unkontrolliert nach vorne oder hinten rollt.
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Elektrische Parkbremse
Bei einer elektrischen Parkbremse wird die Feststellkraft über Elektromotoren erzeugt. Für einen normalen Räderwechsel bleibt sie grundsätzlich aktiviert. Die Parkbremse muss nicht gelöst werden, nur weil ein Hinterrad angehoben wird.
Anders sieht es bei Arbeiten an Bremssattel, Bremsbelägen oder hinteren Bremsscheiben aus. Dann kann je nach Fahrzeug ein Wartungsmodus erforderlich sein. Die genaue Vorgehensweise steht in der Betriebsanleitung; einen elektrischen Stellmotor sollte man nicht durch Gewalt oder ungeeignete Werkzeuge zurückstellen.
| Fahrzeug | Sicherung beim Radwechsel | Worauf ich besonders achte |
|---|---|---|
| Schaltgetriebe | Handbremse und erster Gang oder Rückwärtsgang | Gang muss vollständig eingelegt sein |
| Automatik | Parkbremse und Wählhebel auf P | Nicht auf N oder nur auf die Fußbremse verlassen |
| Elektrische Parkbremse | Parkbremse aktivieren, Fahrzeuganleitung beachten | Wartungsmodus nur bei Arbeiten an der Bremse |
Was sich bei Hinterrädern und Bremsarbeiten ändert
Für einen reinen Räderwechsel darf die Handbremse auch beim angehobenen Hinterrad angezogen bleiben. Das blockierte Rad lässt sich trotzdem abnehmen, weil die Radschrauben gelöst werden, während der Wagen noch auf dem Boden steht. Zum Aufsetzen der neuen Felge wird das Rad wieder auf die Nabe gesetzt und handfest verschraubt.
Wer gleichzeitig die Bremse kontrollieren oder reparieren möchte, muss anders vorgehen. Sobald sich das Rad drehen oder der Bremsmechanismus bewegt werden soll, kann die angezogene Feststellbremse stören. Ich würde die Parkbremse in diesem Fall erst lösen, wenn das Fahrzeug zusätzlich sicher abgestützt ist und die Herstellervorgaben bekannt sind.
Besondere Vorsicht gilt bei einem festgefrorenen oder schwergängigen Handbremsseil. Lässt sich das Fahrzeug nach dem Lösen der Bremse nicht bewegen, sollte man nicht mit Gas und Kupplung dagegen ankämpfen. Das kann Beläge, Trommeln oder den Antrieb belasten. Besser ist eine Prüfung in der Werkstatt, vor allem wenn ein Hinterrad deutlich heißer wird oder nach kurzer Fahrt Brandgeruch auftritt.
Beim Aufbocken mehrerer Räder darf die Sicherung nicht allein über das Getriebe erfolgen. Verwende Radkeile und geeignete Unterstellböcke, denn eine Parksperre oder ein eingelegter Gang blockiert zwar den Antrieb, hält das Fahrzeug aber nicht wie ein mechanischer Anschlag auf dem Boden.
Die typischen Fehler nach dem Wechsel
Der häufigste Fehler passiert nicht beim Anheben, sondern beim Festziehen. Radschrauben werden mit dem vorgeschriebenen Drehmoment über Kreuz angezogen, nicht nach Gefühl und nicht mit einem langen Hebel maximal festgedreht. Die konkrete Newtonmeter-Angabe steht in der Betriebsanleitung oder den technischen Fahrzeugdaten und kann sich je nach Modell, Felge und Schraubentyp deutlich unterscheiden.
Nach dem Absenken kontrolliere ich, ob die Felge sauber an der Radnabe anliegt. Rost, Schmutz oder eine schlecht sitzende Zentrierung können dazu führen, dass sich die Verbindung später lockert. Die Gewinde sollten sauber und trocken sein, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt.
- Luftdruck prüfen, möglichst bei kalten Reifen und nach den Angaben am Fahrzeug.
- Auf Laufrichtung und vorgeschriebene Montageposition achten.
- Bei direktem RDKS prüfen, ob die Reifendrucksensoren erkannt werden.
- Nach dem Start auf Warnleuchten achten und den Reifendruck gegebenenfalls neu anlernen.
- Nach den ersten Kilometern auf Vibrationen, Klappern oder ein Ziehen zur Seite achten.
- Die Radschrauben nach etwa 50 Kilometern erneut kontrollieren, wie es auch der ADAC empfiehlt.
Wenn eine Schraube schon beim Lösen beschädigt wirkt, die Felge nicht plan anliegt oder der Wagenheber instabil steht, breche ich den Wechsel ab. Ein Werkstattbesuch kostet weniger als eine beschädigte Radnabe oder ein verlorenes Rad während der Fahrt.
Wer wirklich Reifen auf Felgen aufziehen möchte, braucht zusätzlich eine Montier- und Wuchtmaschine. Das ist etwas anderes als der saisonale Wechsel kompletter Räder. Das Aufziehen neuer Reifen auf die Felge gehört wegen Sitz, Wuchtung und RDKS besser in die Hände eines Fachbetriebs.
Mein Sicherheitscheck vor der ersten Fahrt
Die Handbremse sorgt beim Reifenwechsel dafür, dass das Fahrzeug nicht einfach losrollt. Die endgültige Sicherheit entsteht aber erst durch das Zusammenspiel aus Parkbremse, eingelegtem Gang oder P, Radkeilen, korrektem Hebepunkt und richtigem Anzugsdrehmoment.
Bevor ich losfahre, stehen alle vier Räder wieder fest auf dem Boden, die Parkbremse ist gelöst und die Radschrauben sind kontrolliert. Eine kurze, langsame Probefahrt in ruhiger Umgebung zeigt sofort, ob etwas vibriert, schleift oder ungewöhnliche Geräusche macht. Genau dieser letzte Check entscheidet oft darüber, ob aus einem einfachen Radwechsel eine sichere Fahrt oder ein vermeidbares Problem wird.
