Wer in Rheinland-Pfalz unterwegs ist, sollte bei angekündigten Kontrollwochen nicht nur auf bekannte Messstellen achten. Der Blitzermarathon bündelt verstärkte Geschwindigkeitskontrollen auf Landstraßen, Autobahnen und innerörtlichen Strecken. Ich zeige, welche Termine 2026 galten, wo besonders kontrolliert wurde, welche Strafen drohen und was nach einem Bußgeldbescheid zu tun ist.
Die wichtigsten Fakten zu den Tempokontrollen in Rheinland-Pfalz
- Frühjahrstermin: Die Speedweek lief vom 13. bis 19. April 2026, der zentrale Kontrolltag war der 15. April.
- Sommertermin: Vom 3. bis 9. August 2026 wurde in Rheinland-Pfalz ebenfalls verstärkt gemessen.
- Kontrollorte: Besonders relevant sind Unfallstrecken, Baustellen, Schulen, Kindergärten und innerörtliche Gefahrenstellen.
- Bilanz: Am Speedmarathon im April wurden in Rheinland-Pfalz 6.715 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.
- Rechtsfolge: Es gelten die normalen Bußgelder, Punkte und Fahrverbote des bundeseinheitlichen Bußgeldkatalogs.

Welche Termine 2026 in Rheinland-Pfalz galten
Die erste ROADPOL-Speedweek fand in Rheinland-Pfalz von Montag, 13. April, bis Sonntag, 19. April 2026 statt. Der Höhepunkt war der Speedmarathon am Mittwoch, 15. April. An diesem Tag wurden die Kontrollen deutlich verdichtet und durch stationäre, mobile sowie teilweise automatisierte Messanlagen ergänzt.
Eine zweite Aktionswoche lief vom 3. bis 9. August 2026. Anders als im Frühjahr gab es im August keinen einzelnen bundesweit hervorgehobenen Kontrolltag. Die Messungen verteilten sich relativ gleichmäßig über die gesamte Woche. Da viele Menschen in den Sommerferien unterwegs sind, lag der Schwerpunkt auch auf stark befahrenen Fernstraßen.
Die Termine für kommende Aktionen werden meist erst vergleichsweise kurzfristig bekannt gegeben. Ich würde mich deshalb nicht auf alte Listen verlassen, sondern kurz vor einer Speedweek die Mitteilungen der Polizei, der Kommunen und der regionalen Verkehrsbehörden prüfen.
Warum gerade diese Strecken kontrolliert werden
Der Ausdruck Blitzermarathon klingt nach einer reinen Jagd auf Temposünder. Tatsächlich geht es bei der Speedweek vor allem um Strecken, auf denen überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit besonders gefährlich ist. Das Innenministerium Rheinland-Pfalz verwies dabei ausdrücklich auf schwere Unfälle auf Landstraßen.
Kontrollen können sowohl innerorts als auch außerorts stattfinden. Typische Schwerpunkte sind:
- Abschnitte vor Schulen, Kindergärten und Altenheimen
- Baustellen und verengte Fahrbahnen
- bekannte Unfallhäufungsstellen
- Landstraßen mit hohem Motorrad- oder Pendlerverkehr
- Bundesstraßen, Autobahnen und Einfallstraßen
- Bereiche vor Krankenhäusern oder an unübersichtlichen Kreuzungen
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen erlaubter Höchstgeschwindigkeit und angepasster Geschwindigkeit. Bei Nebel, starkem Regen, Glätte oder schlechter Sicht kann auch das Fahren innerhalb des ausgeschilderten Limits zu schnell sein. Wer etwa mit 70 km/h durch dichten Nebel fährt, handelt nicht automatisch verkehrsgerecht, nur weil kein niedrigeres Schild aufgestellt wurde.
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Wer die Messstellen festlegt
Je nach Straße sind Polizei, kommunale Verkehrsüberwachung oder andere zuständige Behörden beteiligt. Eine Veröffentlichung der Standorte ist nicht zwingend vorgeschrieben. Selbst wenn einzelne Messstellen angekündigt werden, können zusätzliche Kontrollen an anderen Orten stattfinden.
Ich halte deshalb wenig davon, nur an einem bekannten Blitzer vorsichtig zu fahren und danach wieder zu beschleunigen. Das Tempolimit gilt auf dem gesamten Streckenabschnitt, nicht nur dort, wo ein Messgerät sichtbar ist.
Welche Sanktionen nach dem Blitzermarathon drohen
Ein Aktionstag verändert die Rechtsfolgen nicht. Wer geblitzt wird, erhält grundsätzlich dieselbe Sanktion wie bei einer Messung an jedem anderen Tag. Entscheidend sind die festgestellte Überschreitung nach Toleranzabzug, der Ort der Tat und die Frage, ob innerorts oder außerorts gefahren wurde.
| Überschreitung | Innerorts | Außerorts |
|---|---|---|
| 21 bis 25 km/h | 115 Euro, 1 Punkt | 100 Euro, 1 Punkt |
| 26 bis 30 km/h | 180 Euro, 1 Punkt | 150 Euro, 1 Punkt |
| 31 bis 40 km/h | 260 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot | 200 Euro, 1 Punkt |
| 41 bis 50 km/h | 400 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot | 320 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot |
Bei einer Überschreitung von mehr als 50 km/h steigen Bußgeld und Dauer des Fahrverbots weiter an. Ein Fahrverbot kann außerdem schon bei geringeren Verstößen hinzukommen, wenn innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft erneut eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 25 km/h festgestellt wird.
Zum Bußgeldbescheid kommen in der Regel mindestens 25 Euro Verfahrensgebühr und zusätzliche Auslagen für die Zustellung. Bei kleineren Verstößen kann stattdessen ein Verwarnungsgeld angeboten werden. Mit dessen fristgerechter Zahlung ist das Verfahren normalerweise beendet.
Was beim Messwert und beim Tacho oft verwechselt wird
Vom Messwert wird in Deutschland ein Toleranzabzug vorgenommen. Bis einschließlich 100 km/h sind es normalerweise 3 km/h, darüber in der Regel 3 Prozent der gemessenen Geschwindigkeit. Erst der bereinigte Wert wird für die Einordnung in den Bußgeldkatalog verwendet.
Der eigene Tacho ist dabei kein zuverlässiger Beweis für die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit. Er darf nicht weniger als die reale Geschwindigkeit anzeigen, kann aber je nach Fahrzeug, Reifen und Bauart deutlich vorgehen. Wer auf dem Tacho genau 50 km/h sieht, fährt daher nicht zwingend exakt 50 km/h.
Auch ein sichtbarer Blitz ist keine Voraussetzung für eine gültige Messung. Lasermessungen, moderne Kamerasysteme und Messungen ohne auffälligen Lichtblitz können rechtmäßig eingesetzt werden. Regen, Dunkelheit oder eine Kurve machen eine Kontrolle ebenfalls nicht automatisch unwirksam, sofern das Messverfahren ordnungsgemäß angewendet wurde.
Was nach einem Blitzerbrief zu tun ist
Oft kommt zunächst ein Anhörungsbogen. Angaben zur eigenen Person müssen korrekt gemacht werden, zur Sache muss man sich nicht selbst belasten. Ich würde den Vorwurf erst genau prüfen, bevor ich eine ausführliche Erklärung abgebe.
Ein späterer Bußgeldbescheid enthält unter anderem Tatzeit, Tatort, vorgeworfene Geschwindigkeit, zulässiges Limit und die vorgesehenen Rechtsfolgen. Gegen diesen Bescheid kann innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung Einspruch eingelegt werden. Die Frist muss unbedingt eingehalten werden.
Eine Prüfung lohnt sich vor allem bei konkreten Anhaltspunkten, etwa einem falschen Kennzeichen, einem unklaren Frontfoto, einer fehlerhaften Beschilderung oder Zweifeln an der Messung. Bloßer Ärger über die Kontrolle reicht dagegen nicht aus. Seit dem 1. Juli 2026 gilt für Verkehrsordnungswidrigkeiten grundsätzlich eine sechsmonatige Verfolgungsverjährung, wobei behördliche Maßnahmen die Frist beeinflussen können.
Bei einem Einspruch sollte man nicht automatisch auf einen Messfehler hoffen. Die meisten Bescheide sind nicht allein deshalb falsch, weil sie während einer groß angelegten Aktion erlassen wurden. Bei erheblichen Folgen, insbesondere bei Punkten oder einem Fahrverbot, kann die Beratung durch einen Fachanwalt für Verkehrsrecht sinnvoll sein.
Wie sinnvoll der Blitzermarathon tatsächlich ist
Die Wirkung solcher Aktionstage wird seit Jahren diskutiert. Kritiker bemängeln, dass bekannte Messstellen nur kurzfristig zu langsamerem Fahren führen. Der ADAC sieht dennoch einen Nutzen in der intensiven öffentlichen Aufmerksamkeit, weil viele Fahrer ihr Verhalten zumindest vorübergehend überprüfen.
Meine Einschätzung ist nüchtern: Ein einzelner Kontrolltag ersetzt keine dauerhafte Verkehrsüberwachung und löst das Problem riskanter Geschwindigkeit nicht allein. Er kann aber an gefährlichen Stellen Aufmerksamkeit schaffen. Entscheidend bleibt, dass Fahrer das Tempolimit auch dann einhalten, wenn kein Blitzer angekündigt ist.
Für den Alltag hilft eine einfache Regel. Vor jeder Fahrt sollte man nicht nur auf das Schild, sondern auch auf Sicht, Wetter, Verkehrsdichte, Baustellen und gefährdete Personen achten. Wer diese Faktoren einbezieht, fährt nicht nur sicherer durch eine Speedweek, sondern reduziert das Unfallrisiko auf jeder Strecke in Rheinland-Pfalz.
Was nach den Kontrollwochen wirklich weiterhilft
Die konkreten Termine von 2026 sind vorbei, die Grundregeln bleiben bestehen. Für die nächste Fahrt durch Rheinland-Pfalz sind ein kurzer Blick auf die Beschilderung, ausreichend Zeitreserven und eine angepasste Geschwindigkeit deutlich zuverlässiger als jede Liste bekannter Messstellen.
Wer bereits einen Bescheid erhalten hat, sollte drei Dinge prüfen: den bereinigten Messwert, die korrekte Zuordnung von Fahrzeug und Fahrer sowie die Einspruchsfrist. So lässt sich schnell unterscheiden, ob es sich um ein gewöhnliches Verwarnungsgeld handelt oder ob fachkundige rechtliche Prüfung angebracht ist.
